Hypnosystemik und systTelios Transfer Bielefeld

Hypnosystemik und sysTelios Transfer

Konzept und gelebte Haltung – Hypnosystemik und sysTelios Transfer

Die Hypnosystemik hat sich als ein effektives und nachhaltiges Konzept für die Gestaltung von Veränderungsprozessen in unserer hochkomplexen Welt erwiesen. Der Ansatz gewinnt im Coaching, der Beratung und Supervision immer mehr an Bedeutung, um Menschen bei ihrer Potentialentfaltung und Selbstorganisation zu unterstützen. Das Hypnosystemische Konzept beruht auf humanistischen Grundwerten und der Annahme, dass der Mensch sinnorientiert handelt, durch das Bedürfnis nach Selbsterhaltung und Selbstverwirklichung. Im Wesentlichen wurden in dem Modell der systemisch-konstruktivistische und der Hypnotherapeutische Ansatz von Milton Erickson integriert.

Entwickelt wurde das Hypnosystemische Konzept in den 1980er Jahren von Dr. med. Dipl. rer. Pol. Gunther Schmidt, Leiter des Milton-Erickson-Instituts Heidelberg, Mitbegründer des Helm Stierlin Instituts (Heidelberger Gruppe der Systemischen Therapie und Weiterbildungsinstitut) sowie des Deutschen Bundesverbands Coaching (DBVC) und ausgezeichnet mit dem Coaching Award Preis. Selbst Schüler von Milton Erickson bemerkte er, wieviele Therapie- und Beratungskonzepte sich Anleihen aus der Hypnotherapie nach Erickson als potentialaktivierende Methode holten, ohne dabei die Quelle zu nennen. In das Hypnosystemische Modell fließen Erkenntnisse wie beispielsweise aus der Verhaltenstherapie, den körperorientierten Verfahren, dem Psychodrama, der Transaktionsanalyse und der modernen Hirnforschung ein. Die Erkenntnisse all dieser Konzepte werden genutzt, um für ein gewünschtes Erleben Unterschiede in ein vorherrschendes Muster einzuführen und Strategien für Veränderungen in der Interaktion zu entwickeln. Der Ansatz wird durch neue wissenschaftliche Studien sowie durch die Rückmeldungen von Kollegen/innen und Klienten/innen stetig weiterentwickelt.

Die Grundannahme des Konzeptes fußt auf dem Konstruktivismus und der Autopoiesis. Das Verhalten von Menschen wird als abhängig von den Beziehungen und den Wechselwirkungen zwischen ihnen gesehen. Geltende soziale Regeln und der Situationszusammenhang haben ebenfalls Einfluss auf das Verhalten. Zudem wird davon ausgegangen, dass jedes Erleben immer wieder aufs Neue erzeugt bzw. konstruiert wird. Umwelteinflüsse spielen bei der Verarbeitung von Reizen zwar eine Rolle, doch wie etwas erlebt und verarbeitet wird, ist individuell unterschiedlich. Es gibt nicht die „Wirklichkeit“, sondern ein Phänomen wird von jemandem beobachtet und gedeutet. Wie etwas beschrieben wird und welche Schlussfolgerungen daraus gezogen werden, hat eine Wirkung auf die Konstruktion von Realität und den Handlungen von Menschen. Dabei spielen unbewusste Prozesse eine relevante Rolle, die oft mit dem Begriff der Intuition beschrieben werden. Die moderne Hirnforschung zeigt, dass das Großhirn, als rational-analytische Vernunft, mit den Bewertungen der unbewussten Ebenen von Stamm- und Zwischenhirn verknüpft ist. Der Neurowissenschaftler Gerhard Roth beschreibt das limbische System (Zwischenhirn) als einen Vorstand, wenn es darum geht, bewusste Entscheidungen zu treffen. Das unbewusste, intuitive Wissen drückt sich mit einer eigenen „Sprache“ aus, wie Empfindungen, Bilder oder mehr oder minder diffusen Gefühlen. Letztlich sichert „es“ in brenzligen Situationen durch Kampf, Flucht oder Starre das menschliche Überleben. Diese Fähigkeit, sich zu erhalten und anzupassen ist in jedem Menschen angelegt.

Die Hypnosystemik arbeitet für gewünschte Veränderungen, systematisch mit den interaktionellen Mustern, die durch die Wechselwirkungen von Menschen mit ihrer Umgebung und ihren inneren Erlebnisweisen zustande kommen. Aus der hypnosystemischen Perspektive werden Probleme und Lösungen durch eine Fokussierung von Aufmerksamkeit erzeugt. Dadurch, dass wir unsere Aufmerksamkeit selektiv auf einen bestimmten Aspekt richten, hypnotisieren wir uns quasi selbst. Im Alltag geschieht Aufmerksamkeitsfokussierung permanent, weshalb man sagen könnte, dass wir ständig in einer Art Selbsthypnose unterwegs sind. Erleben wir uns als unfähig, eine Situation zu bewältigen, sprechen wir von Inkompetenz oder einem „Problem“ und erleben uns manchmal wie ausgeliefert als „Opfer“. Wir geraten in eine sogenannte Problemtrance, in der die Wahrnehmung von Alternativen eingeschränkt bis ausgeblendet ist. Unsere Aufmerksamkeit ist fast gänzlich auf das Problem gerichtet, was dem Erleben von Überforderung und Stress weiter zuträglich ist. In diesen Momenten sprechen wir dann oft unbewusst auf eine bestimmte Art und Weise mit uns selbst. Destruktive Kommentare an uns selbst können entstehen, wie „ich bin zu blöd, zu inkompetent, ich werde das niemals schaffen …“. Begleitend zu diesen inneren Dialogen haben wir noch eine entsprechende Körperhaltung mit Gestik, Mimik und Atmung, aus der heraus wir uns selbst, anderen Menschen und der Herausforderung begegnen. Wie lösungsförderlich dieses Verhalten in der Vergangenheit war, können wir nun selbst reflektieren.

Für ein gewünschtes Erleben nutzt die Hypnosystemik verschiedene Methoden, um eine Kooperation von bewussten (willkürlichen-kognitiven) und unbewussten (unwillkürlichen-intuitiven) Prozessen zu ermöglichen. Statt einer entweder-oder Prämisse zu folgen, ist eine sowohl-als-auch Betrachtung für die Stärkung der Selbstkompetenz hilfreich. Für das eigene Erleben und Verhalten ist es zudem ein erheblicher Unterschied, wie in einem Kontext etwas benannt, beschreiben und bewertet wird. Von Bedeutung für die individuelle Handlungsfähigkeit ist auch, ob das Erleben einer Situation mit positiven oder negativen Erfahrungen verknüpft wird. Um adäquat auf Situationen reagieren zu können, kann die Synergie zwischen intuitiven und kognitiven Wissen genutzt werden. Sogenannte somatische Marker wie beispielsweise Atmung, Verspannungen und Raumerleben werden bewusst registriert, da die Empfindungen des Körpers Rückschlüsse auf die Stimmigkeit von Entscheidungen bzw. Handlungen erlauben.

Durch das hypnosystemische Vorgehen im Coaching, in der Beratung oder der Supervision wird die Wahrnehmung so reflektiert, dass eine wechselnde Fokussierung von Problem- und Lösungsmustern stattfindet. Durch die Reflexion und Organisation bewusster sowie unbewusster Prozesse werden neue Sichtweisen und Ressourcen entdeckt, die dann für die Lösungen genutzt werden können. Entgegen der oft verbreiteten Meinung, Hypnose sei mit Schlaf gleichzusetzen, sind die Klienten dabei wach und lernen durch die gemeinsame Arbeit, die eigene Aufmerksamkeit zieldienlich zu fokussieren. Zugleich werden dem Kompetenzerleben förderliche neuronale Netzwerke aktiviert, was das Erleben von Selbstwirksamkeit fördert. Da das Zwischenhirn mit dem limbischen System maßgeblich an der Bewertung von Situationen beteiligt ist, aber keine Sprache im herkömmlichen Sinn versteht, sind Imaginationen, Geschichten und Metaphern eine wertvolle Methode in der Prozessgestaltung. Zieldienliche Kompetenzen werden so reaktiviert, um im Alltag optimal mit dem eigenen inneren System (verschiedene persönliche Anteile wie beispielsweise der Kritiker, Zweifler oder Optimist) und dem äußeren System (Partner, Familie, Freunde, Kollegen) arbeiten zu können.

Bedeutsam im Umgang mit Problemen ist die Sichtweise, dass ein Problemverhalten bereits eine „Lösung mit hohem Preis“ ist. Welche Werte und Loyalitäten, die zu Ambivalenzen führen können, gilt es deshalb zu überdenken? Da wir als soziale Wesen eingebunden in andere Beziehungen sind, werden neue Lösungsideen auf ihre Alltagstauglichkeit hin überprüft. Die Auswirkungen von Veränderungen werden gemeinsam eingeschätzt, da sonst Zwickmühlen und Loyalitätskonflikte (zu den vielleicht bereits vorhandenen) entstehen können.

Die Hypnosystemik ist verbunden mit einer gelebten Haltung der Begegnung auf Herz- und Augenhöhe. Auf Grund der Annahme, dass Erleben ständig neu hergestellt wird, ist ein wertschätzender und forschender Umgang mit den Wirklichkeitskonstruktionen anderer Menschen zu pflegen. In der gemeinsamen Arbeit werden deshalb Menschen als „Experten ihrer Selbst“ anerkannt. Zur Erweiterung der gegenwärtigen Perspektiven werden Hypothesen und Interventionen transparent in die Zusammenarbeit eingebracht. Die Wahlfreiheit bei der Nutzung der angebotenen, alternativen Sichtweisen liegt genauso beim Gegenüber wie auch die Entscheidungsfreiheit zu sagen, was als hilfreich oder als weniger hilfreich erlebt wird. Eine fortlaufende Prozessreflexion ist somit ein wertvoller Bestandteil einer zieldienlichen Arbeit an den Anliegen. Die Entwicklung von Lösungen wird dadurch ebenso unterstützt wie auch das Bewusstsein für den Kontext und den Auswirkungen von Veränderungen.

Das Hypnosystemische Konzept hat sich in den letzten 30 Jahren mehr und mehr verbreitet und findet sowohl im psychotherapeutischen Bereich als auch in Coaching, Team- und Organisationsentwickung eine erfolgreiche Anwendung.

Ausführlichere Informationen zum Hypnosystemischen Konzept finden Sie in meinen Blogbeitrag „Hypnosystemisches Coaching und der Fokus der Aufmerksamkeit“.

sysTelios Transfer – für wen und wofür?

Hypnosystemische Perspektiven Bielefeld

Der sysTelios Transfer dient neben der Weiterentwicklung der Erkenntisse auch den Klienten der sysTelios Klinik in Siedelsbrunn. Gegründet wurde die Klinik für Psychotherapie und psychosomatische Gesundheitsentwicklung im Jahr 2007 von Dr. med. Dipl. rer. Pol. Gunther Schmidt und Dipl.-Pädagogin Mechtild Reinhard. Hier wird die Hypnosystemik als Verbindung der kompentenzaktivierenden, hypnotherapeutischen Konzepte Milton Ericksons mit den lösungsorientierten, systemischen Ansätzen sowohl im stationären Bereich als auch auf der Ebene der Organisation der Klinik erfolgreich umgesetzt. Die Organisationskultur der Klinik ist geprägt von Selbstorganisation, Transparenz, flachen Hierarchien sowie Mitgestaltungsmöglichkeiten bei internen und externen Prozessen. Das Miteinander in der sysTelios Klinik beruht auf einer wertschätzenden und achtsamen Begegnung auf Augenhöhe.

Während des stationären Aufenthaltes wird den Klienten ein Erfahrungsraum geboten, der es Ihnen ermöglicht, Sinnzusammenhänge zu erarbeiten. Die Kompetenzen werden reaktiviert,  eigene Wünsche werden wieder entdeckt und selbstwirksame Ziele können gesetzt werden. Der Aspekt der Selbstwirksamkeit ist in sofern wichtig, da zum einen nur das eigene Verhalten änderbar ist und zum anderen für Veränderungen im Umfeld nur an einer Erhöhung von Wahrscheinlichkeiten gearbeitet werden kann. Wichtigstes Ziel der psychotherapeutischen Arbeit in der Klinik ist, die Selbststeuerung bei der Verarbeitung körperlicher und geistig-seelischer Prozesse für mehr Wohlbefinden zu fördern. Aus der hypnosystemischer Sicht werden „Symptome“ als Ausdruck unbeachteter Bedürfnisse gesehen. Entscheidend für den Veränderungsprozess ist nicht, wie etwas entstanden ist, sondern welche Ressourcen bereits vorhanden sind und was noch gebraucht wird, um das eigene Leben künftig etwas anders gestalten zu können. Statt nach Defiziten oder Schuldigen zu suchen, werden „Fehler“ vielmehr als eine Lernchance verstanden. Sie geben einen wertvollen Hinweis darauf, dass in einer Lebenssituation noch etwas gefehlt hat. Bei allen angestrebten Veränderungen wird der vorhandene Lebensbezug berücksichtigt und vorausschauend gearbeitet. Denn Menschen sind in Beziehungen eingebunden, in denen Loyalität und andere Werte von Bedeutung für die Zugehörigkeit und das Handeln sind. Welche Auswirkungen mit der als Problem erlebten Situation verbunden sind und was passieren könnte, wenn zukünftig eigene Kompetenzen eingesetzt und Ziele umgesetzt werden, sind somit relevante Fragestellungen. Im Therapieprozess werden den Klienten die verbalen und nonverbalen Interventionen ganz transparent angeboten, wodurch eine Vielfalt an Perspektiven und Wahlmöglichkeit entsteht. Die eingebauten Feedbackschleifen werden in der Zusammenarbeit immer wieder für die Stärkung der Selbststeuerung von den bewussten und unbewussten Potentialen für ein gewünschtes Erleben genutzt.

Die sysTelios Klinik bietet den Klienten die Möglichkeit, ihre individuellen Kompetenzen neu zu entdecken. Nach einem stationären Aufenthalt besteht die Option, durch das hypnosystemische Netzwerk und den sysTelios Transfer Unterstützung zu finden. Der Schritt aus dem geschützten Raum der Klinik heraus, ist eine Herausforderung und Chance zugleich, den begonnenen Veränderungsprozess zu Hause angekommen weiter fortzusetzen und auszubauen.

Ich freue mich, lizenziertes Mitglied im sysTelios Transfer und hypnosystemischen Netzwerks zu sein. Mein Anliegen ist es, Menschen auf ihrem Weg der Selbstorganisation und Potentialentfaltung mit den Möglichkeiten von Coaching, Beratung oder Supervision zu unterstützen.

Falls Sie mehr über mich und meine Angebote erfahren möchten, fühlen Sie sich herzlichst eingeladen, meine Beiträge zu lesen oder direkt mit mir in Kontakt zu treten.