Burnout

Das Phänomen Burnout

Burnout oder das Gut-statt-perfekt-Prinzip

Burnout, was ist das eigentlich genau? Diese Frage stellt sich dem ein oder anderen schon mal, insbesondere wenn sich eine dauerhafte Erschöpfung und Lustlosigkeit bemerkbar macht. Im ZDF-Wissensportal findet sich eine interessante Sendung zu dem Thema  „Burnout – Hysterie oder Epidemie?“ Hier werden nicht nur geschichtliche Aspekte vorgestellt, sondern auch wissenschaftliche und neurobiologische Aspekte beschreiben.

Bereits im letzten Jahrhundert haben sich Wissenschaftler und Ärzte mit dem Phänomen des erschöpften Menschen beschäftigt und den Begriff der Neurasthenie dafür geschaffen. In unserer neo-liberalen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts nimmt dieses Phänomen in der Wahrnehmung auffallend zu. Egal ob Print- oder digitale Medien, das Phänomen ist, so kann man schon sagen, in aller Munde. Wie lässt sich nun die Entstehung und Zunahme von Burnout erklären?

Erklärungen – Ursachen, Risiken und Folgen

Bekannterweise gibt es bestimmte Bedingungen im Arbeitsumfeld, die im Zusammenhang mit einem Burnout stehen. So schaffen Führungskräfte, die Wertschätzung als lästige Aufgabe ansehen und Stress nach unten weiterreichen, einen Nährboden für Burnout. Unzufriedenheit bei Mitarbeitenden entsteht, wenn sie fehlende Transparenz und mangelnde Wertschätzung der geleisteten Arbeitsbeiträge erleben, zu wenig eigene Gestaltungsmöglichkeiten haben, mit ihren Handlungen nichts (mehr) bewirken können und keine Sicherheit in Bezug auf ihre berufliche Rolle haben. Zudem führen Ökonomisierung, Digitalisierung, Globalisierung und der Aspekt von „immer mehr in immer weniger Zeit“ zu einer enormen Arbeitsverdichtung. All dies kann den Stress hervorrufen, der krankmachend wirkt und als Burnout bezeichnet wird. Erschöpfung, Angst, Konzentrationsmangel, Schlafstörungen, Aggression, aber auch ein Erstarrt-sein mit völligem Desinteresse können die Folgen sein. Die Betroffenen erleben sich inkompetent und handlungsunfähig.

Neurobiologisch lässt sich bei Stress eine Zunahme von bestimmten Hormonen wie Cortisol und Dopamin beobachten. Diese und andere „Botenstoffe“ führen dazu, dass wir bei Stress adäquat reagieren, um unser Überleben zu sichern. Kampf, Flucht oder Starre sind typische Reaktionsmuster, die kontextbezogen entsprechend ausgestaltet werden. Tritt jedoch eine Dauerbelastung ein, kann der Körper nicht mehr in einen Erholungszustand runterfahren. Das limbische System als Verarbeitungsinstanz der Emotionen steht unter einem „Dauerfeuer“. Wenn keine Ruhe mehr einkehrt, fängt der gesamte Organismus an zu reagieren, was dann zu den oben genannten Symptomen führt.

Neben den ablaufenden Stressreaktionen im Körper ist es allerdings auch bedeutsam, wie Menschen mit Stress umgehen. Bereits in der Kindheit wird dieser Umgang mit Anforderungen „angelegt“. Was wir erleben, wird im Gehirn abgespeichert und wirkt sich bis in die Genaktivitäten aus. Eine psychosoziale Umwelt, die Sicherheit und Wertschätzung vermittelt, ohne dafür eine besondere Leistung vollbracht zu haben, hat einen wesentlichen Einfluss darauf, wie resilient wir mit widrigen Situationen umgehen.

Leistungsbewusste Menschen, die perfektionistisch agieren, können ebenso gefährdet sein, in einen Burnout-Kreislauf geraten, wie auch Menschen, die Angst haben, die Kontrolle (erneut) zu verlieren. Ebenfalls spielen Loyalitätsverpflichtungen eine relevante Rolle im Umgang mit Herausforderungen. Der Umgang mit den Erwartungen an sich selbst und denen aus dem privaten oder beruflichen Umfeld haben einen enormen Einfluss auf die Lebens- und Arbeitszufriedenheit.

Beobachtungen haben gezeigt, dass bestimmte familiäre Konstellationen eine leistungsorientierte Einstellung fördern können. Dann nämlich, wenn das Prinzip der Nützlichkeit Vorrang vor den Bedürfnissen des Kindes hat. Diese Kinder erhalten von ihren Bezugspersonen überwiegend über Leistungen eine Bestätigung und Wertschätzung. Viele Kinder werden von ihren Eltern leider auch in nicht altersentsprechende Rollen gedrängt. Es bleibt kaum noch Raum für Spiel und Spaß. Die eigenen Bedürfnisse werden immer mehr zurückgestellt. Der Heranwachsende agiert zu einem Leistungserbringer, der etwas „Sinnvolles“ tut. Die Einstellungen „ohne mich bricht alles zusammen“ und „du musst, wenn du kannst“ ist eine Folge davon und spiegelt sich in einem sehr hohen Verantwortungsbewusstsein wider. Die Betroffenen bürden sich im späteren Leben dann meistens viele Aufgaben auf und überfordern sich dabei zunehmend selbst (vgl. Gunther Schmidt 2017, Ortwin Meiss 2016).

Eine Gesellschaft, in der Erfolg, Eigenständigkeit und Vitalität als Ideale gelten, kann gleichfalls mit dazu beitragen. Viele Menschen neigen dazu, sich bei Herausforderungen immer mehr anzustrengen. Das Bedürfnis nach Erholung hat oft zu wenig Platz im Leben. Durch das Bestreben, über Leistung Anerkennung zu bekommen, um einer auferlegten Rolle gerecht und von anderen gemocht zu werden, geraten manche zunehmend in einen „Dauerlauf“. Wenn dann die Erfahrung gemacht wird, dass trotz zusätzlichem Engagement den (eigenen) Erwartungen nicht entsprochen werden kann, können Scham- und Schuldgefühle entstehen. Frustration, Erschöpfung und der Eindruck der Sinnlosigkeit können sich einstellen. Der Burnout-Kreislauf nimmt an Fahrt auf ….

Coaching als Chance für mehr Gestaltungsfähigkeit

Lebensbalance

Sie wünschen sich wieder mehr Muße im Leben? Sie möchten ohne ein schlechtes Gewissen Ihren Bedürfnissen und Wünschen mehr Raum geben? Ach, wenn das „Nichtstun“ doch so einfach wäre …!

Gemeinsam werden im Coaching belastende Umwelteinflüsse und der bisherige Umgang mit den Erwartungen und den Auswirkungen davon reflektiert, um neue Ziele definieren zu können. Der Blick auf die eigenen Werthaltungen und das Hinterfragen der Verhaltensmuster sind wichtige Prozesse im Coaching. Sich zu erlauben, die eigenen Bedürfnissen (wieder) zu entdecken und diese auszusprechen, sind wichtige Schritte, um das körperliche und seelische Wohlbefinden neu zu gestalten. Bei einer systemischen und lösungsorientierten Vorgehensweisen werden dabei die vorhandenen Ressourcen und Kompetenzen fokussiert und genutzt.

Ein Burnout wird von Betroffenen selbst oft als Schwäche oder Versagen interpretiert. Doch es sind meist die loyalen und verantwortungsbewussten Menschen, die jahrelang kompetente Leistungen erbringen. Dabei wird über eigene Grenzen hinweg gegangen und es werden Zielkonflikte erlebt. Symptome oder Probleme können übersetzt werden als Hinweis, dass der bisherige Weg einen hohen Preis hat und die eigenen Bedürfnisse zu wenig beachtet und erfüllt wurden. Statt „auszusteigen“, kann ein neuer Sinnbezug zu den persönlichen Wünschen und Bedürfnissen hergestellt werden.

Neben aller Arbeitsorganisation und dem Zeitmanagement gilt es, das sogenannte Selbstmanagement im Coaching zu reflektieren. Die „inneren Antreiber“ zu entdecken, hinderliche Glaubenssätze zu verändern und eine selbstfreundliche Beziehung zu sich selbst aufzubauen, sind aus hynosystemischer Perspektive bedeutende Meilensteine, um einem Burnout-Erleben vorzubeugen. Neue Ziele werden auch auf den Aspekt der Selbstwirksamkeit hin geprüft, denn manchmal entpuppen sich Ziele als weiterer Stressfaktor. Wie mit Restriktionen hilfreich umgegangen werden kann, ist ebenfalls ein relevanter Punkt im Coachingprozess. Eine positive Auswirkung auf das eigene Wohlbefinden hat es, die eigene „Endlichkeit“ würdevoll anzuerkennen und somit eben nicht allem oder jedem gerecht werden zu können.

Sich bewusst Pausen mit „Nichtstun“ zu gönnen, Kontakte mit anderen Menschen und eigene Hobbies fördern eine gesunde Lebensgestaltung. Ebenfalls tragen eine ausgewogene Ernährung und ausreichende Bewegung mit dazu bei. Alle angedachten Veränderungen brauchen viel Achtsamkeit, damit kein neuer Stress entsteht. Letztlich ist die Work-Life-Balance genauso relevant für mehr Lebens- und Arbeitszufriedenheit wie eine positive Beziehung zu sich selbst.

Im Fokus der Aufmerksamkeit liegt der Umgang mit den inneren und äußeren Erwartungen. Gemeinsam werden beispielsweise Fragen reflektiert wie „Wer ist in welcher Rolle, in welchem Rahmen und in welchem Kontext für was konkret verantwortlich?“, „Wie könnten Prioritäten neu gesetzt werden?“, „Welche Unterstützungsmöglichkeiten sind im persönlichem beziehungsweise beruflichem Netzwerk vorhanden und könnten genutzt werden?“, „Welche Bedingungen sind erforderlich, um nach negativen Erfahrungen etwas Neues zu wagen?“, „Wie gehe ich mit mir selber in herausfordernden Situationen um?“ und „Wie reagiert mein Partner, meine Familie und wie sind die Reaktionen im Team, wenn ich meine Ziele umsetzten werde?“. Von Bedeutung im Coachingprozess ist es, die erwarteten Auswirkungen von Veränderungen gemeinsam anzuschauen. Wichtige Themen sind deshalb die Handhabung von Loyalitäten, Ambivalenzen und Entscheidungen, um Win-Win-Situationen zu ermöglichen.

Neben den klassischen systemischen Methoden wird das hypnosystemische Konzept genutzt, um von einem Problem- zu einem Lösungserleben zu gelangen. Neurobiologisch betrachtet, können durch eine Fokussierung der Aufmerksamkeit die Erlebnisnetzwerke aktiviert werden, die für die eigene Handlungsfähigkeit und das Kompetenzerleben zieldienlich sind.

Wenn Sie sich angesprochen fühlen, können Sie sich unter Systemisches Coaching Bielefeld weiter informieren oder sich direkt mit mir in Verbindung setzen.